Elze. Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, engagierte Vertreter der Sportvereine und zwei hochkarätige Gäste aus dem niedersächsischen Profisport – das 1. Elzer Sportforum war ein rundum gelungener Abend mit vielen wertvollen Impulsen, offenen Diskussionen und einem intensiven Austausch. Mit dabei waren Eike Korsen, Geschäftsführer der RECKEN, und Björn Bremer, Geschäftsführer von Hannover 96, zwei ausgewiesene Sportexperten, die Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk in Elze begrüßte.
In der von Bosk initiierten Veranstaltung sprachen sie darüber, wie der Sport in Elze weiterentwickelt werden sollte, wie die Elzer Vereine gestärkt und die Zukunft der Sportstätten gestalten werden könnten. Bosk stellte heraus, dass Sport weit mehr als Bewegung ist, denn er verbinde Generationen, stärke den Zusammenhalt, fördere die Gesundheit und leiste damit einen wichtigen Beitrag für die Stadt. Deshalb werde er sich als Bürgermeister mit voller Überzeugung für gute Rahmenbedingungen für die Sportvereine, alle Sporttreibenden und die vielen ehrenamtlich Engagierten einsetzen. Das bestehende Sportstättenentwicklungskonzept bietet eine gute Grundlage. Dabei möchte er Menschen zusammenbringen, Ideen vernetzen und auch neue Wege bei der Finanzierung und Entwicklung von Sportprojekten gehen.
Einen ausführlichen Bericht über das 1. Elzer Sportforum hat die Leine-Deister-Zeitung veröffentlicht, der nachfolgend zum Lesen hier veröffentlicht ist:
„Sport ist auch ein Wirtschaftszweig“
Bosk will Investoren ins Boot holen, um Sportzentrum in Elze zu realisieren
Elze – Das „Sportstättenentwicklungskonzept“ stand im Mittelpunkt des ersten Sportforums, zu dem Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk einlud. Was für den einen recht sperrig klingt, löst beim anderen Unmut aus – insbesondere bei denjenigen, die es am meisten betrifft: Die 2 838 Sportvereinsmitglieder in Elze und Ortsteilen. Ein erstes Stadtgespräch zum Thema Sport veranstaltete Bosk im November 2025 – nun knüpfte er mit dem Sportforum daran an.
Dass trotz der hohen Temperaturen rund 30 Menschen in die Räume der ehemaligen Firma Weikert in der Gerberstraße gekommen waren, zeuge vom großen Interesse der Bürgerinnen und Bürger am Thema, wie Bosk bemerkte. Unter den Anwesenden begrüßte er nicht nur zahlreiche Mitglieder der Elzer Sportvereine, sondern zudem zwei Männer, die sich beruflich mit Sport beschäftigen: Eike-Christian Korsen, Geschäftsführer des TSV Hannover-Burgdorf, besser bekannt als die „Recken“, und Björn Bremer, Geschäftsführer von Hannover 96. Beide sind jahrelange Bekannte des Elzers und mit der Region vertraut.
Wiederholt wurde innerhalb der zweistündigen Veranstaltung die Frage aufgeworfen, ob Elze den Titel „Sportstadt“ verdient. Auf Korsens Frage, was die Anwesenden mit dem Begriff verbinden, antwortete eine Zuschauerin, dass es dort einen großen Verein geben müsse mit breitem Rückhalt aus der Bevölkerung. Eine andere Zuschauerin befand, dass in einer Sportstadt viele unterschiedliche Sportarten vertreten sein müssen, die laut einer weiteren Zuschauerin, im besten Fall unter einem Sport-Dachverband organisiert sind. Korsen selbst sah als Bestandteil einer Sportstadt vor allem viele engagierte Menschen als „größten Treiber“, die innerhalb der Infrastruktur agieren, die die Stadt stellen muss. Hieran knüpfte Bremer an und ergäntze, dass die Stadt auch für die nötige Vernetzung der Sporttreibenden untereinander sorgen muss und sich zunächst ein Bild vom Status Quo machen sollte.
Die sportliche Infrastruktur habe sich in Elze zurückentwickelt, stellte Bosk fest. Deutlichstes Zeichen dafür dürfte der Verkauf des Saalestadions gewesen sein. Die Vernetzung unter Sporttreibenden sei seiner Meinung nach ebenfalls „unterentwickelt“. Trotzdem dürfe man Elze als Sportstadt bezeichnen, da hier in der Breite Sport betrieben wird, „vom Babyschwimmen bis zum Seniorensport“, und die Begeisterung für Sport spürbar ist. Um positive Entwicklungen voran zu bringen, sah Bosk die Stadt in der Verantwortung – nicht die Vereine. Deren Fokus liege darauf, Sport anzubieten. Zur Ausführung dieser Angebote bedarf es jedoch adäquater Sportstätten, die es in Elze derzeit nicht gibt, seitens Sportvereinen jedoch dringend gewünscht werden.
2021 erstellte die Georg-August-Universität Göttingen ein Entwicklungskonzept, das den Zustand vor Ort, Ideen und Bedarfe in Elze erfasst und 2023 im Rat besprochen wurde. Als erste konkrete Schritte priorisierte der Rat, Stadtverwaltung und Vereine in den Austausch zu bringen und die Sportstätten künftig zu zentralisieren. Dass bis zum ersten „Runden Tisch“ ganze drei Jahre vergingen und es seitdem keinen weiteren Austausch gab, konnte Bosk nicht verstehen. Ebenso bemängelte er, dass man aufgrund fehlender finanzieller Mittel das Konzept nicht weiterverfolgt habe und es in der „Schublade“ verschwinden ließ. Kleinere Investitionen seien geschehen, man könne aber keine wirkliche große Entwicklung erkennen, bemängelte Bosk. Ein Streitgespräch hatte der Gastgeber nicht im Sinn, beinahe entwickelte sich der Austausch aber in diese Richtung. Ratsmitglied Martin Rieck meldete sich nämlich zu Wort und widersprach dem Gastgeber in einigen Punkten deutlich.
„Beruhigungspille“
Bosk erwähnte 2,71 Millionen Euro, die das Land Niedersachsen für Infrastruktur zur Verfügung stellen will. Einen Teil davon könne man in Sportstätten investieren. Rieck kritisierte, dass dieses Geld kaum gänzlich in eine neue Sportstätte fließen könne, zumal 2,71 Millionen Euro nicht einmal die Beschaffungskosten für eine geeignete Fläche decken werden und obendrein noch gar nicht klar ist, wann das Geld kommt. Geeignete Flächen gebe es zwar, oft verhindern Streitigkeiten der Eigentümer aber den Bau einer Sportstätte dort. Dass die Stadt das entwickelte Konzept auf Eis gelegt habe, sei laut Rieck falsch: Wenngleich man bisher in puncto Sportzentrum keinen Fortschritt erzielen konnte, habe man jedoch in die „Ertüchtigung“ vorhandener Sportplätze investiert. Ähnliche Töne schlug ein weiterer Zuschauer an, wandte sich damit aber gegen das Konzept: Er empfinde es nur als „Beruhigungspille“ zur Beschwichtigung der Beteiligten, eine positive Entwicklung könne er nicht erkennen.
Korsen interessierte sich für die Mängel der Elzer Sportstätten aus Sicht der Sporttreibenden. Ein Zuschauer sprach die Hallenzeiten an – insbesondere durch die Ganztagsbetreuung an Schulen verschiebe sich der Zugang für die Sportvereine nach hinten. Ein weiterer Zuschauer vom SSV Elze berichtete von eineinhalb verfügbaren Sportplätzen, die allerdings überlastet und teils mangelhaft ausgestattet sind. Dass es zu wenig Sportplätze und -hallen gebe, bestätigte auch eine Zuschauerin. Hier könnte ein neues Sportzentrum Abhilfe schaffen – die zur Umsetzung des Vorhabens notwendigen Mittel in Höhe von etwa zehn bis 15 Millionen Euro fehlen jedoch noch. Bosk schlug vor, finanzstarke Partner mit ins Boot zu holen, die in die Sportstätten investieren – hier sei „Klinkenputzen“ angesagt.
„Sport ist nicht nur Vereinssport – Sport ist auch ein Wirtschaftszweig“, gab der Bürgermeisterkandidat zu bedenken. Elze brauche Alleinstellungsmerkmale, Sportarten, die es in anderen Gemeinden nicht gibt, um Menschen dazu zu bewegen, den Weg hierher auf sich zu nehmen.
Der Gastgeber forderte, Synergien zu schaffen und für Elze ein Sport-Profil zu entwickeln. Das Sportstättenentwicklungskonzept sei eine gute Grundlage – man müsse es lediglich „aktualisieren, aber schnell!“ Er empfahl, Sportstätten nochmals zu begehen und gemeinsam mit den Vereinen Anforderungen an ein neues Sportzentrum zu ermitteln, um anschließend gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Problemlösungen gelingen nicht „von heute auf morgen“, betonte Korsen. Vielleicht sei hier und da ein Vorstandwechsel nötig – „Frustsituation“, die zu Austritten führen können, sollte man vermeiden, stattdessen lieber Kompromisse eingehen.
Bremer sah in Deutschland viel Know-How vorhanden, das letztlich nur richtig kanalisiert werden müsse. Genau das hat Bosk vor: Er möchte die im Sportbereich Aktiven zusammenbringen und ermöglichen, dass sie sich in der Lösung wiederfinden. Genaue Summen wollte Bosk nicht versprechen, rief aber zur Beteiligung und zum Handeln auf. (kho)
Quelle: Leine-Deister-Zeitung vom 22. Juni 2026





