Wird die Saale in der Stadt trockengelegt?

Offener Brief an den Rat der Stadt Elze

Am Beginn des Lindenweges, gegenüber vom sogenannten „Freikolk“, fließen die beiden Arme der Saale in der Stadt wieder zusammen. Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk schaut sich die möglichen Auswirkungen einer Trockenlegung an. (Foto: privat)

Wird die Saale in der Stadt trockengelegt? In der Tat ist die komplette Trockenlegung eine von drei Varianten, über die der Rat der Stadt Elze am Mittwoch, 26. November 2025, entscheiden soll (Beschlussvorlage für den Rat mit Übersichtskarte). Eine Mehrheit für diese Lösung (Variante 3) zeichnet sich nicht ab, wohl aber für den Vorschlag der Stadtverwaltung, immerhin einen der beiden durch die Stadt fließenden Saalearme trockenzulegen (Variante 2). So soll die Strecke zwischen dem alten „Badekolk“ (hinter dem Saalestadion), entlang des Saaledamms (gegenüber des alten Edekas), an der Obermühle (gegenüber der Tankstelle) bis zum sogenannten „Freikolk“ (Beginn des Lindenweges bei Graaf, siehe Foto) kein Wasser mehr führen.

Warum wird eine solche Maßnahme überhaupt diskutiert? Der Besitzer der Obermühle, Karl Thiele, hat seit Generationen ein sogenanntes „Staurecht“. Mit dem gestauten Wasser wurde seit 1557 die Mühle betrieben, seit 1981 wird damit Strom produziert. Allerdings sind damit auch Pfichten wie Hochwasserschutz und die Pflege von Flussbett und Ufer verbunden, die Karl Thiele (88) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erfüllen kann. Deshalb möchte er sein Staurecht niederlegen, womit es endgültig verloren ginge. Der Landkreis, der Leineverband und die Stadt bereiten sich jetzt darauf vor. Doch so weitreichend die Entscheidung für Elze ist, so kurzfristig und unvollständig ist die Diskussion. Erst am 13. November wurde das Thema erstmals in der Bauausschusssitzung diskutiert, schon am 26. November sollen die Ratsmitglieder eine Entscheidung treffen. Es gibt aber bisher mehr offene Fragen als Antworten. Und auch die Möglichkeit, dass jemand anderes das Staurecht übernehmen könnte, steht gar nicht erst zur Auswahl.

In einem „Offenen Brief“ vom 24. November 2025 an den Rat setze ich mich dafür ein, die Entscheidung zu vertagen. Mein Ziel: eine sorgfältige Prüfung und eine breite öffentliche Diskussion.

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