Bürgermeisterkandidat diskutiert bei Waggonbau Graaff mit Elzer Wirtschaft

Großes Interesse an der Zukunft des Wirtschaftsstandorts Elzes: Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk konnte rund 50 Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte zum „1. Elzer Wirtschaftsforum“ begrüßen.
Elze. „Über den Tellerrand schauen“ – dazu konnte Elzes Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk rund 50 Unternehmerinnen und Unternehmer, Selbständige und Führungskräfte aus allen Ortsteilen zum ersten „Elzer Wirtschaftsforum“ begrüßen. Im Ausbildungszentrum der Waggonbau Graaff GmbH drehte sich einen Abend lang alles um die Frage „Welche Zukunft hat die Wirtschaft in Elze?“. Dazu konnte der parteilose Bosk auch den Leipziger Zukunftsforscher Kai Gondlach begrüßen und stellte sein „Zukunftsprogramm“ für die bevorstehende Bürgermeisterwahl am 13. September vor. „Wir sind noch da“, begrüßte jedoch zunächst Graaff-Geschäftsführer Klaus Bernard die Gäste. Trotz des gerade abgeschlossenen Personalabbaus auf nunmehr 160 Beschäftigte, blicke die Geschäftsleitung zuversichtlich in die Zukunft des Standorts. Aktuell seien die Auftragsbücher nur bis Juli gefüllt. Gemeinsam mit der Muttergesellschaft VTG aus Hamburg, arbeite der Vertrieb jedoch mit Hochdruck daran, neue Zukunftsmärkte für die Spezialwaggons aus Elze zu entwickeln, etwa für C02-Transporte. Die Verbundenheit zu lokalen Lieferanten und Dienstleistern sei dem Traditionsunternehmen weiterhin wichtig. Botschaften, die die anwesenden Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter dankbar aufnahmen.

Zukunftsforscher Gondlach: „Elzes Zukunft ist Elze.“
Viele waren jedoch auch gekommen, um mit Zukunftsforscher Kai Gondlach, der extra aus Leipzig nach Elze gekommen war, eine Reise in die Zukunft zu machen. Sein Leitgedanke des Abends: „Elzes Zukunft ist Elze.“ Denn wirtschaftliche Stärke werde künftig nicht mehr ausschließlich in großen Metropolen entstehen. Vielmehr könnten gerade kleinere Städte wie Elze mit funktionierenden regionalen Netzwerken, kurzen Wegen, praktischen Kompetenzen und unternehmerischer Eigenverantwortung neue Zukunftschancen entwickeln. Hierfür gebe es allerdings eine Bedingung, so der der studierte Politologe, Soziologe und Verwaltungswissenschaftler: Wirtschaft, Politik und Verwaltung müssten gemeinsam bereit sein, Veränderungen frühzeitig anzunehmen und aktiv zu handeln. Entscheidend seien nicht „perfekte“ Rahmenbedingungen, sondern Initiative, Kooperation und die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren. Dass das nicht nur Theorie ist, zeigte Gondlach anhand mehrerer erfolgreicher Unternehmens- und Standortbeispiele aus verschiedenen Regionen Deutschlands auf.
Dabei seien drei zentrale Trends – Gondlach nennt sie „Zukunftsbewegungen“ – zu beachten: „Glokalität“, „Regenerativität“ und „Mensch-Maschine-Hybrid“. So gewinne lokale Wertschöpfung wieder stärker an Bedeutung, allerdings verbunden mit globaler Vernetzung. Unternehmen würden zunehmend resiliente und verlässliche Standorte suchen, statt ausschließlich auf maximale Kostenvorteile zu setzen. Themen wie resiliente Versorgung, Energie-Autarkie, digitale Souveränität und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe würden künftig eine größere Rolle spielen. Gerade industrielle und handwerklich geprägte Regionen könnten von dieser „Glokalität“ profitieren. Als „Regenerativität“ bezeichnete der Zukunftsforscher die Notwendigkeit, dass Wirtschaft und Lieferketten nachhaltiger, transparenter und widerstandsfähiger werden müssen. Dies betreffe Lieferketten und Stoffströme genauso wie die regionale und lokale Verantwortung. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten hier oft Vorteile, weil sie flexibler, schneller und unabhängiger agieren könnten als große Konzerne. Die dritte wichtige Zukunftsbewegung sieht Gondlach im „Mensch-Maschine-Hybrid“. Künstliche Intelligenz und Robotik würden die Arbeitswelt grundlegend verändern. Der Mensch werde dabei jedoch nicht ersetzt, sondern stärker zum „Orchestrator“ von KI und Technik. Entscheidend sei, wie schnell Unternehmen lernen, KI sinnvoll einzusetzen. Kleinere Betriebe hätten dabei häufig Vorteile, weil Entscheidungen direkter, pragmatischer und schneller getroffen werden könnten. Gleichzeitig seien kleinere Einheiten oft kooperativer, empathischer und verhandlungsstärker.

„Elze muss nicht auf Hannover, Berlin oder Brüssel warten!“
Doch wie kann sich die Wirtschaft in Elze auf diese Veränderungen einstellen? Gondlach hatte mehrere konkrete Empfehlungen im Gepäck. Die ihm wichtigste: Unternehmen sollten noch stärker ausbilden und Lehrlinge aufnehmen – möglichst sogar über den eigenen Bedarf hinaus. „Ohne Ausbildung keine Zukunft“, lautete eine seiner klaren Botschaften. Ein Ball, den Bürgermeisterkandidat Bosk später gleich mit der Ankündigung einer Ausbildungsinitiative aufnehmen sollte. Zugleich forderte Gondlach alle Unternehmen auf, sich frühzeitig mit KI-Anwendungen auseinanderzusetzen. Gerade sogenannte „agentische KI-Anwendungen“ böten im Mittelstand große Chancen und sollten als Investition und nicht als Belastung verstanden werden. „Nutzen Sie diese Chancen für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit!“. Daran anknüpfend warb er für eine regelmäßige, strategische Vorausschau („Foresight“). Unternehmen müssten Entwicklungen, Trends und Risiken frühzeitig beobachten und Chancen schneller erkennen als Wettbewerber. „Bereits eine Stunde pro Monat kann ausreichen, um relevante Entwicklungen systematisch festzuhalten und Risiken frühzeitig vorzubeugen. Das funktioniert auch schon ab drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, weiß Gondlach aus langjähriger Erfahrung. Gleiches gelte für branchenübergreifende Netzwerke, um neue Kooperationen aufzubauen, denn „Innovationen entstehen häufig dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen“, so der Zukunftsforscher.
Immer wieder warb Gondlach dafür, sich auf die eigenen Stärken am Standort zu konzentrieren. „Elze muss nicht auf Hannover, Berlin oder Brüssel warten – dort wartet man auf neue Leuchttürme wie Elze“, zeigte er sich überzeugt. Die entscheidenden Antworten für die Zukunft kämen nicht aus Ministerien, sondern aus Unternehmen, Vereinen, Netzwerken und Köpfen vor Ort. Dazu brauche es Entscheiderinnen und Entscheider mit Zukunftsintelligenz – Menschen mit Mut, die Risiken eingehen und Entwicklungen nicht ignorieren, sondern aktiv gestalten. „Die konkreten Lösungen für Elze sind in den Köpfen in diesem Raum“, unterstrich Gondlach und warb dafür, kurzfristig mindestens eine konkret, gemeinsame Initiative zu ergreifen.
Doch für den Erfolg gebe es eine weitere Voraussetzung: „Wir brauchen wieder mehr gute Nachrichten!“. Wer wirtschaftliche Entwicklungen ausschließlich durch die „Krisenbrille“ sozialer Medien betrachte, verspiele Zukunftschancen. Denn die Realität sei oftmals besser als die Stimmung, schlechte Nachrichten würden jedoch schneller und weiter verbreitet. Hier könne jeder in seinem Umfeld – digital und real – einen Beitrag leisten.

Zukunftsprogramm: „Starke Wirtschaft – lebendige Stadt“
Im Anschluss stellte Bürgermeisterkandidat Andreas Bosk zentrale Inhalte seines Zukunftsprogramms vor und stellte sich den Fragen der Gäste. Dabei standen vor allem die Vorschläge zum Thema „Starke Wirtschaft – lebendige Stadt“ im Fokus. Als Bürgermeister verstehe er sich zugleich als „oberster Wirtschaftsförderer der Stadt“ und werde dafür sorgen, dass Selbstständige und Unternehmen – vom Ein-Frau/Mann-Betrieb bis zu den größeren Firmen – einen direkten Draht ins Rathaus haben. „Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage für Arbeitsplätze, Ausbildung und eine lebens- und liebenswürdige Stadt für alle“, zeigte sich der 48-jährige parteilose Kandidat überzeugt. Aufgrund seiner 25-jährigen Erfahrung in der Wirtschaft bringe er daher nicht nur Ideen, sondern umsetzungsreife Konzepte mit. Dazu gehörten mit „Elze kauft vor Ort!“ eine Initiative, die Kunden binden und das Image des örtlichen Handels, Handwerks und Dienstleistungsbereich stärken soll. In Verbindung mit einem lokalen Lieferdienst und „Vor-Ort-Boxen“ in den Ortsteilen soll die Nahversorgung gestärkt werden. „Wir brauchen sofort ein professionelles Leerstandsmanagement, damit wir die Leerstände im gesamten Stadtgebiet in den Griff bekommen“, lautet eine andere Forderung. Eine neue Stabsstelle für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Leerstandsmanagement in der Verwaltung soll sich dem annehmen. Um neue Impulse in die Wirtschaft zu tragen, will Bosk zudem engere Kooperationen mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises, der IHK, Handwerkskammer, Verbänden, regionalen Wirtschaftsnetzwerken und weiteren Akteuren aufbauen. Und nicht zuletzt wolle er ein „Elzer Wirtschaftsforum“ als jährlichen Wirtschaftsempfang der Stadt etablieren. Den Anfang hierzu hat Bosk bereits als Kandidat gemacht: Bis lange in den Abend diskutierten die Gäste bei Imbiss und Getränken weiter über wirtschaftliche Perspektiven, Netzwerke und Zukunftsideen für Elze.
