Bürgermeisterkandidat stellt sich Fragen der Elzer / Rund 30 Einwohner dabei

Der 48-jährige Familienvater Andreas Bosk möchte der nächste Bürgermeister der Stadt Elze werden. (Foto: Robels)
Elze – Im September nächsten Jahres steht eine Bürgermeisterwahl in Elze an. Das amtierende Stadtoberhaupt, Wolfgang Schurmann, hat klar gemacht, dass er sich nicht mehr zur Wahl stellt. Einer, der das nun tun will, ist Andreas Bosk. Er stellte sich jetzt erstmals der Öffentlichkeit vor und lud seine Gäste auf ein Getränke ein.
Rund 30 Elzer waren der Einladung gefolgt. Das sei schon ein erster Erfolg, fand der Bürgermeisterkandidat. Dies gelte insbesondere deshalb, wenn man bedenke, wie viele oder besser wenige Menschen sonst zu Versammlungen, öffentlichen Sitzungen oder Sprechstunden kommen. So war es dann relativ voll im „Unique Bar & Bistro“.
Seit rund dreieinhalb Jahren wohnt Bosk in Elze und restauriert mit drei Generationen das älteste Haus der Stadt, das früher „Biel’s Gasthaus“ hieß und aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert stammt, wie er erzählt.
Auch wenn er für die Bevölkerung von Elze noch kein bekanntes Gesicht ist, wird schnell klar, der Inhaber des Unternehmens „WirtschaftsDienst“ und Herausgeber des gleichnamigen Magazins ist ein Politprofi. Er habe unter anderem zu Zeiten von Rita Süßmuth ein CDU-Bundestagsbüro geleitet, sich dann aber doch gegen einen Umzug nach Berlin und für Hannover entschieden. Aus der CDU ausgetreten sei er, weil er als Wirtschaftsberater und Wirtschaftsjournalist politisch unabhängig sein wollte. So sieht er auch das Amt des Bürgermeisters parteiunabhängig besser aufgestellt. Er versichert, er sei alles andere als unpolitisch. „Mein Vater war in der CDU, meine Mutter eher grün“, verriet er. Entsprechend sei er mit lebhaften Diskussionen aufgewachsen.
Er wünscht sich Kontakte mit Menschen, die etwas bewegen möchten, egal, welche Partei sie bevorzugen oder angehören. Er selbst sieht sich in der politischen Mitte, auch wenn das wieder eine Schublade sein, und in einer Schublade sehe er sich eigentlich nicht.
Für Elze sieht er viele Möglichkeiten und Chancen, die derzeit nicht genug ausgeschöpft werden. „Wir in Elze nutzen unser Potential nicht richtig. Das läuft in anderen Kommunen besser.“ Das will er ändern. Seit er in Elze lebe, besuche er regelmäßig Ratssitzungen und Sprechstunden. Er beobachte, höre zu, mache sich Gedanken und sammle Ideen. Er beobachte sehr aktive engagierte Bürgerinnen und Bürger, die etwas bewegen. Er vermisse aber gemeinsame Ziele und Visionen sowie Zusammenarbeit. Es werde zu viel im eigenen Saft geschmort. „Wir müssen besser zusammenhalten, Menschen ernst nehmen und Verantwortung übernehmen.“ Auch Nachhaltigkeit ist ein großes Thema für ihn. Das gelte nicht nur für die Ökologie, sondern für jeden Bereich. Bei so gut wie allen Entscheidungen sollte auch die Nachhaltigkeit und die Zukunftsfähigkeit eine Role spielen.
Besseren öffentlichen Personennahverkehr wünscht er sich, sieht den Bahnhof und die Verkehrsanbindungen an die Bundesstraßen als Gewinn für Elze. „Aber warum nicht auch um einen S-Bahn-Anschluss kämpfen. Auch wenn es zehn Jahre dauert“, sagt er. Wenn Menschen engagiert und beharrlich ein Projekt verfolgen, stünden die Chancen gut, etwas zu bewirken. Er habe noch nicht erlebt, dass ein Projekt mit einem gut durchdachten Konzept und sehr engagierten Menschen an der Finanzierung scheitere. Es gebe so viele Fördertöpfe, da müsse man manchmal tief graben.
Die Aufgabe des Bürgermeisters sehe er unter anderem darin, die Akteure vor Ort zu unterstützen. Dazu zählten Gespräche mit Einzelhändlern oder anderen Gewerbetreibenden. Kosten würden dabei nur für Unmengen an Kaffee anfallen, gab er zum Besten. Es brauche Zeit. Zeit zum Zuhören, zum Gespräche führen und um Menschen zusammenzubringen.
Auch das Thema Tourismus möchte er angehen. „Wir haben ganz tolle Ecken in Elze. Ich sehe da viel Potential.“ Kaum ein großes Thema blieb offen. Bildung, Jugend, Sport, Gesundheitsversorgung, Altenpflege, öffentliche Ordnung, Andras Bosk lobte, was gut läuft, zeigte Richtungen auf, was noch besser laufen könnte. Er wünscht sich eine starke Kommunalpolitik, dass diskutiert und gestritten und am Ende mit einer gemeinsamen Lösung nach draußen gegangen wird.
Fragen aus der Bevölkerung kamen natürlich auch. Die meisten Gäste hatten konkrete Anliegen für Elze. Themen waren da unter anderem die Zersiedlung durch Neubaugebiete und Baulückenschluss in der Innenstadt. Es gebe den Auftrag des Stadtrates an die Verwaltung, eine Leerstandserhebung zu machen. Leider sei das nicht richtig umgesetzt worden, so ein Ratsmitglied. Andere fragten nach Arten- und Landschaftsschutz, nach dem bestehenden Schottergartenverbot und fehlenden Kontrollen. Auch der neue Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt sorgte für Unmut. Die Kinder würden damit herumspritzen. Gar von Wasserverschwendung wurde gesprochen. Der redegewandte Bosk erinnerte sich daran, dass alle Kinder – so auch er früher – gerne mit Wasser spielen. Den Trinkwasserbrunnen mochte er nicht kritisieren. Ob er in der Art gelungen sei, wolle er nicht kommentieren.
Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat Bosk letztendlich gut und ziemlich sicher gemeistert. Wenn er die Bürgermeisterwahl in Elze gewinne, werde er sein Unternehmnen aufgeben, versicherte er. Er lebe gerne in dieser Stadt und möchte, dass das alle anderen, egal ob jung oder alt, zugezogen oder seit Generationen ansässig, ob als Familie oder Single, mit oder ohne Hund, als Eigentümer oder Mieter, mit oder ohne Behinderung, dies ebenfalls tun.
Bericht von Sabine Robels
Quelle: Leine Deister Zeitung, 29.08.2025
